Matthias Sammer im Exklusiv-Interview!

Freitag, den 15. Juni 2012 um 19:34 Uhr
Matthias Sammer im Exklusiv-Interview!
Matthias Sammer - momentan sicherlich einer der anerkanntesten Fußball Experten weltweit! Foto: GEPA
Die Bleistifte sind gespitzt, die Kameras in Lauerstellung und die Notizblöcke warten darauf, den Worten einer Fußballlegende zu lauschen: Matthias Sammer, Sportdirektor des DFB, Europameister von 1996, Europas Fußballer des Jahres 1996, SKY-Experte,… - die Visitenkarte des 45-jährigen Dresdners ließe sich noch seitenweise weiterführen.
15. Juni 2012, Gerhard Hanappi Stadion. Adidas (Georg Kovacic, Leiter der Kommunikation/PR Adidas Österreich im Videointerview unten)  lud gemeinsam mit SPORT 2000 zur Pressekonferenz. Es ist Mittag, der Empfangsraum des VIP-Bereichs ist mit bis zum letzten Sitzplatz gefüllt. Vertreter aller Printmedien sind ebenso versammelt, wie zahlreiche Fernsehstationen. Mit Verspätung (das Flugzeug, das Sammer ursprünglich nach Wien-Schwechat bringen solle, musste aufgrund technischer Probleme umkehren, eine Ersatzmaschine brachte Sammer nach Wien) kam der stets höflich und professionell auftretende ehemalige Weltklassespieler im St. Hanappi an.

Video Interview mit Matthias Sammer am Ende des Beitrags

Zu Beginn entschuldigt sich der ehemalige Dortmund Coach, dessen Uhr stets eine Viertelstunde vorgeht und bringt die versammelte Presse zum Schmunzeln: Er als gelernter Maschinenanlagemonteur hätte seine Hilfe angeboten, um den Flieger wieder flugtauglich zu machen.

Die nächsten Minuten wird dann über die EURO gesprochen. Noch hat sich keine Mannschaft qualifiziert, es wurden die ersten Tupfer abgegeben, aber die Entscheidungen stehen noch aus, so Sammer. Es gibt keine Übermannschaften, man darf nicht alles durch die rosarote Brille sehen. Sammer meint, man hat bisher ein besseres Warm-Up gesehen.
 
Blickpunkt Europameisterschaft 2012

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Matthias Sammer voller Emotionen und Leidenschaft! Foto: GEPA
Dann wird der DFB-Sportdirektor auf einige EM-Teams angesprochen: Die Italiener haben nur in schwierigen Phasen Mut zu Veränderungen im System gezeigt. Ansonsten dominieren bei dieser Euro klassische Systeme. Negativ überrascht ist er darüber, dass viele Mannschaften Defizite beim Verhalten mit dem Ball haben. Das Topniveau ist sehr schwer, allerdings kommen die „Leben oder Sterben“-Spiele erst ab dem dritten Spieltag.  England braucht eine gute Mischung, sie haben entsprechend ihrer Mittel das Beste gemacht. Von den Holländern ist Sammer ein wenig enttäuscht: Sie haben eine gute Quali gespielt, auch eine ganz gute Vorbereitung, aber es wird zwischendurch zu viel geredet. Huub Stevens hat zum medialen Rundumschlag ausgeholt. Bei den Holländern wurde nicht das richtige Mittel gefunden, um wieder zusammenzufinden. Wenn man den Neuling auf der linken Seite sieht (Anm.: Jetro Willems) sieht, ist es sehr mutig zu behaupten, dass sei noch europäische Spitze, so Sammer über die Oranjes.

Wie die Chancen Deutschlands stehen?
Sammer sieht Optimierungs- und Verbesserungsmöglichkeiten, das Schwarz-Weiß denken soll man aber anderen überlassen. Kann man einen Vergleich von der heutigen deutschen Mannschaft zu jener von 1996 ziehen? Der 51-fache Teamspieler Deutschlands (plus 23 Einsätze für die DDR) meint, dass ein Vergleich schwer fällt. Das System ist anders, die die Dynamik und die Geschwindigkeit ist höher. Erfolgsrezept ist die gute Mischung. 1996 hat Deuschland sich nicht sehr elegant präsentiert, dafür aber sehr zielstrebig.

Ein Thema, das auf der Pressekonferenz natürlich nicht fehlen durfte war Mario Gomez, der die Oranjes zweimal auspresste. Dennoch ist er ständig der Kritik der Medien ausgesetzt, warum? In Deutschlands Medien ist das wie mit dem Wetter. Vor zwei Tagen hat es noch geregnet, heute scheint die Sonne. Vor zwei Tagen gab es bei uns noch einen Fußballer, der in Frage gestellt wurde, jetzt ist er der Gigant. Barcelona hätte einen Stürmer wie Gomez im Halbfinale der Champions League gerne gehabt. Sammer zieht einen Vergleich zu seiner eigenen Person: 1992 meinte Paul Breitner, der einzige Spieler, der nicht in die Mannschaft Deutschlands passe, sei Matthias Sammer. Sammer ist der Meinung, dass man Kritik gut rausarbeiten und filtern muss. Er selbst kann mit Kritik gut umgehen, wenn diese berechtigt ist. Lachend meint er dann, er werde Mehmet Scholl anrufen, um ihn auf Verbesserungsvorschläge anzusprechen.
 
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Ist er mit Bastian Schweinsteiger zufrieden? Sammer: Er hat zwei finale Pässe gespielt, damit ist die Diskussion in Deutschland, dass Schweini nicht voll fit ist, zu Ende. Schweinsteiger ist einer jener Spieler, die Entwicklungspotenzial verkörpern. 

Erfolgsanteile eines Trainers

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Von der Euro bis zum Trainer Dasein, Matthias Sammer nahm sich ausführlich Zeit! Foto: GEPA
Auf die Frage, wie hoch der Anteil des Trainers beim Erfolg/Misserfolg einer Mannschaft sei, meinte Sammer nach einigen Momenten des Überlegens lachend:  Oh Gott, das ist ein schwereres Thema. Manche Trainer, wie Franz Beckenbauer schickten ihre Mannschaft aufs Feld nach dem Motto Laissez-faire.  Es gibt Trainerweltmeister, die aber nichts holen, und jene Trainer, die im Wetterkampf coachen. Beckenbauer war der überragende Trainer beim Coachen. Trainingsinhaltlich können sich solche Trainer Experten holen. Heute sind Mourinho und Guardiola stets präsent beim Coachen,  obwohl sie völlig unterschiedliche Trainertypen sind.

Muss ein guter Trainer auch ein guter Spieler gewesen sein?
Viele Trainer, wie beispielsweise Effenberg und Scholl haben einen Trainerschein, sie müssen aber begreifen, dass sie in einer Entwicklungsphase und somit fast Lehrlinge sind. Man muss die Seele der Spieler berühren und die Inhalte vermitteln können. Für jene Trainer, die keine Klassekicker waren, braucht es viel Fleiß, so Sammer. Auch Mourinho war anfangs Übersetzer, Guardiola war nicht in der ersten Mannschaft Barcelonas. Es gibt nicht den Einserweg.

Was verbindet Matthias Sammer mit Rapid?
Der Meistertrainer von Borussia Dortmund von 2002 antwortet dazu: Ich bin mittlerweile in einem Alter, in dem man sich glücklicherweise nicht mehr an alles erinnert. Ich bat meinen Vater 1985, er soll mich nach Wien mitnehmen. Leider hat mein Vater schon damals nicht auf mich gehört, so Sammer. (Anm: Klaus Sammer war ab 1983 Trainer von Dynamo Dresen,die zwei Jahre später im März gegen Rapid Wien im Europacup in Wien mit 5:0 unter die Räder kam. Sohn Matthias,im zarten Alter von 17 Jahren, kam erst im Sommer zu seinem Pflichtspieldebüt bei den Ostdeutschen.)

Nach der Pressekonferenz ging es dann auf den Rasen, um mit jungen Talenten Rapid Wiens (Ansprache siehe Video) zu trainieren.

Was Matthias Sammer sonst noch zu sagen hat, wie er seine Beziehung zu Wien sieht und wie er die Rolle von Matts Hummels sieht, sehen Sie im exklusiven fanreport.com Videointerview. Außerdem steht Adidas Österreich PR-Leiter Georg Kovacic Rede und Antwort und spricht u.a. über den EM-Spielball „Tango“.

Von der Pressekonferenz aus dem Gerhard Hanappi Stadion: Stefan Hirczy, David Herrmann-Meng
 
Videos

Video: Matthias Sammer im Gespräch mit fanreport.com!
 
Video: Georg Kovacic, Leiter Kommunikation/PR von Adidas Österreich!
 









Video: Matthias Sammer beim Training mit dem Nachwuchs!

Dietmar Wieser
Fanreport
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dietmar.wieser@fanreport.at